Unsere Reiseroute:
Der goldene Herbst ist vorbei und das Wetter ist nasskalt und ungemütlich.
Durch diverse Termine waren wir noch an Neuhäusel gebunden, aber jetzt wird es Zeit, dass Weite zu suchen... und die Wärme.

Von Familientreffen, Weihnachtsmarkt und Fliegerbombe...
Ein ereignisreiches Nikolauswochenende bei der Familie liegt hinter uns: Spiele, leckeres Essen , gute Gespräche und der Besuch des Weihnachtsmarktes in Sankt Wendel, der, u.a., mit dem Mittelaltermarkt und der kostenlosen „Schneerutsche“ für Kinder, einige Besonderheiten bot, die man nicht überall sieht.
Nur die Straßensperrung wegen einer 50kg Fliegerbombe, die bei Bauarbeiten entdeckt wurde, hätte nicht unbedingt sein müssen. Zudem kann sie erst nach Ende des Weihnachtsmarktes vom Kampfmittelräumdienst kontrolliert entschärft werden...
... und am Nikolausabend müssen unbedingt noch Milch und Kekse vor den Kamin gestellt werden, damit der Nikolaus auch seine Geschenke da lässt.
Damit der Weihnachts-Wichtel ihm nicht alles klaut, bekommt er natürlich auch etwas ab ;-)

Vom Frühnebel zum Weihnachtsmärchen...
Über Landau, wo TIO bei der Firma Caratec eine neue Antenne bekommt, erreichen wir Colmar.
Auf diesen Weihnachtsmarkt möchte ich seit 3 Jahren, als wir auf unserer Reise gen Süden die Vorbereitungen gesehen haben, aber leider 1 Woche zu früh durch Colmar kamen.
Nach gefühlten 3 Runden durch die überfüllte Innenstadt setzen wir TIO auf einen kleinen Parkplatz am Stadtrand und marschieren los.
Weihnachtsschmuck, -musik und Lichterglanz erwarten uns. Insgesamt 6 Weihnachtsmärkte wetteifern um die schönste Dekoration. Bäume und Häuser sind bis in die obersten Etagen festlich geschmückt.
Mit dem Duft von Räuchermännlein, heißen Maronen und Glühwein schlendern wir durch die Gassen.
Bei den milden Temperaturen ist sogar die Außengastronomie noch geöffnet und viele Leute sitzen draußen und genießen den Tagesausklang bei einem Glas Wein.
Ein Weihnachtszauber, den wir in dieser Form noch nicht erlebt haben.
Zurück im Wohnmobil ist nicht nur Gino geplättet.

Wer boult denn da...???
Allmählich wird es Zeit, einen Stellplatz mit Boule-Möglichkeit zu finden. Immerhin sind wir in der Heimat des Pétanque und haben unsere Kugeln dabei.
Der kostenfreie Platz der Gemeinde Arc-et-Senans sieht nach Schotterbelag aus... besser als gar nichts ;-)
Am frühen Nachmittag sind wir vor Ort und testen das „Terrain libre“.
Die königliche Saline in Arc-et-Senans, 1779 unter Ludwig XV fertiggestellt, wurde 1982 von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen.
Wir sind, mal wieder, zu spät für eine intensive Besichtigung, aber die beleuchtete Außenfassade hat auch ihren Reiz.

Von Wasserlandschaften und Vogelparadiesen...
Der Parque des Oiseaux, einer der größten Vogelparks in Europa, liegt nördlich von Lyon in der Dombes, einer Landschaft, geprägt von unzähligen Weihern und weiteren, ausgedehnten Vogelreservaten.
Der Park selbst ist momentan geschlossen - so ein Glück haben nur wir - aber die Vogelvielfalt kann man auch vom angrenzenden Stellplatz erahnen: Neben uns klappern die Störche in ihren erhöhten Nestern, Pelikane und Reiher ziehen über uns hinweg und in den Abendstunden führen tausende von Vögeln einen Lufttanz auf, der an einen Makrelenschwarm erinnert, der vor Delfinen mal in die eine, mal in die andere Richtung flüchtet.
Der Abendspaziergang führt uns durch Villars-les-Dombes. Die Flutlichtanlage am großen Bouleplatz ist leider ausgeschaltet - wird also heute Abend nichts mehr mit dem Schweinchen...

Man braucht nicht viel zum Glücklichsein...
In Serrières gibt es einen geschotterten Stellplatz direkt an der Rhône. Das Wetter ist traumhaft schön, und nachdem wir den Nachmittagskaffee in der Sonne genossen und unser Boule-Training auf dem Nachbarstellplatz absolviert haben, besorgen wir uns im Dorf Rotwein, Käse und Baguette für den Abend - mehr brauchen wir nicht.
Der nächste Tag beginnt mit mystischem Frühnebel über der Rhône, wird dann wolkenlos und wir beschließen, Gino mit einer Radtour entlang des Flusses eine Freude zu machen.
Er ist total aus dem Häuschen und gibt, wie immer, das Tempo vor.
Nach 18km, 2 kurzen Fotostopps, 5 Abkühlungen im Wasser und einem Schnitt von 17km/h sind wir zurück und haben am Nachmittag einen ausgepowerten, zufriedenen Hund.

Von berühmten Chateaus und mitteilungsbedürftigen Marquisen
Wir sind im Land der Lavendelfelder gelandet, allerdings ein halbes Jahr zu spät, um sie blühen zu sehen.
Grignan ist trotzdem eine Reise wert, denn als eines der „Schönsten Dörfer Frankreichs“ punktet es mit einem imposanten Chateau und der ebenso berühmten Marquise de Sévigné, die knapp 1500 Briefe an ihre Tochter geschrieben hat, um sie über Tratsch und Intrigen am königlichen Hof von Versailles zur Zeit Ludwig XIV auf dem Laufenden zu halten. Bevorzugter Ort zum Schreiben war die Grotte von Rochecourbière.
Unseren Besuch in Grignan, Hauptstadt der Schwarzen Trüffel, beschließen wir mit einer Wanderung um den Ort, ausgehend vom Marktplatz des hübschen Dorfzentrums.
Alles in Allem ein sehr lohnenswerter Abstecher.

Es geht auch ohne Rotwein... ;-)
Angeblich soll es neben dem freien Stellplatz in Montbrison-sur-Lez eine Kellerei mit gutem Wein geben, aber sie hat leider geschlossen... und, wie es aussieht, dauerhaft.
Wir bleiben trotzdem über Nacht und spielen noch eine Runde Boule, bevor Wind und Regen für eine etwas wackelige Nacht sorgen.

Von Brücken, Märkten und Weihnachtsstimmung...
Olivenöl und Wein sind die Spezialitäten von Nyons.
Zudem ist die einbogige Brücke von 1409, der Pont de Nyons, sowie die Burg, deren Ursprung das 8. Jahrhundert ist, als historische Monumente anerkannt.
Im malerischen Altstadtviertel findet an jedem Donnerstag ein großer Markt statt, mit vielen provenzalischen Produkten.
Deswegen sind wir hier.
Wir schwelgen in Baguette, Rotwein, marinierten Oliven, Käse und Öl... und der Pastis auf dem Place de Liberation war der perfekte Einstieg für den heutigen Abend.

Vom Mittelalter zu Nussknacker und Teddybär...
In Vaison-la-Romaine ist die größte archäologische Ausgrabungsstätte Frankreichs:
Amphitheater, Thermalbäder, Tempel, ... und wieder eine römische Brücke, diesmal aus dem 15. Jahrhundert, und dazu eine der sehr seltenen antiken Brücken, die heute noch genutzt werden.
Den „Grand marché provençql“ haben wir leider verpasst - aber wir kommen ja gerade erst aus Nyons, deshalb steigen wir hinauf zum „Château des comtes de Toulouse“ und genießen den Blick über die Stadt.

Papstpalast und zerstörte Brücke im besten Licht...
Über Malaucèn erreichen wir unser nächstes Ziel:
Avignon... Da fällt mir als erstes das Lied von Édith Piaf ein: Sur le Pont d’Avignon, on y danse, on y danse...
Dass die im 12. Jahrhundert erbaute Bogenbrücke von Avignon mittlerweile eine Ruine ist, sehen wir erst vor Ort. Mit 900 Metern Länge und 22 Bögen war sie damals die längste Brücke Europas...
Alles dahin, ebenso wie die einstmalige Papstresidenz Avignon, die von 1335 bis 1430 insgesamt 6 Päpste und 5 Gegenpäpste beherbergte. Geblieben ist die riesige, an eine Festung erinnernde, abweisend wirkende Palastanlage mit 15.000qm Nutzfläche und einem kompliziert verschachtelten Raumsystem.
Die Kathedrale macht auf den ersten Blick einen eher unscheinbaren Eindruck, gehört aber, zusammen mit dem Palast seit 1995 zum UNESCO Weltkulturerbe.
In der Innenstadt herrscht vorweihnachtlicher Trubel, Musik dringt aus sämtlichen Lautsprechern, Gassen und Geschäfte sind bunt geschmückt, die Lichterketten und Sterne hängen bis hoch in die Platanen und jeder versucht, noch auf den letzten Drücker seine Weihnachtsgeschenke unter Dach und Fach zu bringen.
Da wir den kommenden Tagen entspannt entgegen sehen, können wir die Atmosphäre entsprechend genießen.
Am Abend kommen wir in den Genuss des Probelaufs der Lichtinstallation an der Pont d’Avignon. Mit musikalischer Untermalung werden Brücke und Papstpalast in bunte, wechselnde Lichtbilder getaucht. Die Koordination lässt noch etwas zu wünschen übrig, aber es sind ja noch ein paar Tage bis Heiligabend ;-)


Vor- und Nachteile des Mistral...
Rechtzeitig vor dem großen Regen landen wir auf dem „Camping-Car“ Parkplatz von Port-San-Louis-du-Rhône.
Den Rest des Tages versuchen wir, jeweils in einer trockenen Phase, eine kleine Runde Gassi zu gehen, ohne in den Riesenpfützen entlang des Weges zu versinken.
Erst am nächsten Tag können wir die Gegend erkunden:
Der Yachthafen ist Hochsicherheitszone, und die - im Sommer sicher fantastischen - Pétanque-Plätze am Boulodrom stehen unter Wasser. Also zurück zu TIO bevor der nächste Schauer kommt.
Gino’s Bademantel wird gar nicht mehr trocken...
Heiligabend hat uns der Mistral fest im Griff. Der kalte Wind von Norden hat die Temperaturen um 10°C sinken lassen, aber sämtliche Wolken verjagt.
Bei Sonnenschein schlendern wir über den Wochenmarkt und bekommen noch die restlichen Zutaten für unser Heiligabendmenü: Marinierten Lachs auf Ofengemüse...

Wasserreiche Camargue...
Wer nach zwei ausgiebigen Regentagen in der Camargue wandern will, sollte seine Gummistiefel dabei haben.
Nicht nur die Reisfelder stehen unter Wasser.
Für Flamingos und Kraniche, die es hier zu hunderten gibt, ist das kein Problem, und sogar die Pferde haben sich angepasst: Sie können ihre Nüstern beim Fressen verschließen und kommen so auch an die Gräser unter Wasser heran.
Ein Spaziergang zwischen den riesigen Weiden hindurch ist jedoch eine rutschig-matschige Angelegenheit, zudem will Gino unbedingt mit den Stieren spielen...
Vielleicht eine Möglichkeit zu testen, welche von ihnen wild genug für die Arena sind???
Die anderen landen nämlich im Kochtopf.

Auf nette Nachbarschaft... ;-)
Unser Navi meldet im Département Hérault mögliche Straßensperrungen wegen Überschwemmung.
Tatsächlich steht das Wasser auf der Landzunge zwischen Palavas-les-Flots und Sète ca. 20cm hoch, was natürlich für TIO, bei einer Wattiefe von 70cm, kein Problem darstellt. Wichtig ist, dass vor uns kein Fahrzeug auf der Strecke bleibt...
Unbeschadet erreichen wir Portiragnes Plage, südlich von Béziers, wo wir jetzt so lange bleiben, bis sich die Regenwolken in Nordspanien in Luft aufgelöst haben.
Die Unterhaltung mit unserem französischen Nachbarn am nächsten Morgen gestaltet sich etwas schwierig... so gut ist mein Schulfranzösisch leider nicht mehr, aber die Flasche Rotwein, die er uns zum Abschied aus seiner Domaine schenkt, zeigt, dass wir mit unseren Wohnmobilreisen doch enormen Eindruck auf ihn gemacht haben.
Merci beaucoup, Thierry!!!
Vielleicht besuchen wir auf dem Rückweg mal Dein Coteaux de l’Ardeche.

Ab jetzt zu Viert...
Auf den „Camping-Car“ Parkplätzen darf man nur 2 Nächte bleiben, deshalb ziehen wir um nach Villeneuve-lès-Béziers.
Entlang des Canal du Midi spazieren wir am Abend durch den kleinen Ort, der noch weihnachtlich geschmückt ist und beeindruckende Wandmalereien vorweisen kann.
Es ist schon dunkel, als Angelika und Wolfgang nach langwierigen Umleitungen bei uns eintreffen.

En passant...
Zeitlich schaffen wir es leider nicht mehr, Béziers zu besuchen, das einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat - u.a. die Pont Vieux aus dem 13. Jahrhundert, von der ich im Vorbeifahren eine Aufnahme machen konnte.
Eine Besichtigung der sehr alten Stadt ist aber für die Rückreise eingeplant...
Wenn nichts dazwischen kommt ;-)

Carcassonne - mehr als nur ein Spiel...
Ein Besuch in Carcassonne wurde uns mehrfach empfohlen, weshalb wir heute einen Umweg ins Landesinnere machen.
Die historische Altstadt gehört seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist mit 4 Mio. Besuchern pro Jahr eines der am häufigsten besuchten Reiseziele Frankreichs.
Die mittelalterliche Festungsanlage ist einzigartig in Europa und wird von einem doppelten Mauerring umschlossen.
Beim Betrachten der unzähligen Touristen kommt einem unwillkürlich die Drosselgasse in den Sinn ;-)
Wir lassen uns vom Schwertkampf zur Schmiede treiben und fühlen uns tatsächlich fast wie im Mittelalter. Jetzt kennen wir neben dem Spiel auch das Original - und das ist absolut sehenswert.

Vom Winde verweht...
Der starke Seitenwind lässt uns frühzeitig einen geeigneten Stellplatz suchen, und so landen wir in Elne, einer Kleinstadt mit historischem Ortskern.
Hauptattraktion ist die
Kathedrale Sainte-Eulalie-et-Sainte-Julie
mit sehenswertem Kreuzgang,
den wir leider verpasst haben.
Aber die fantastische Aussicht von der Galerie war den Aufstieg auf jeden Fall wert.

Perfektes Jahresende...
Für den letzten Tag des Jahres haben wir uns einen besonderen Stellplatz ausgesucht:
Kurz vor der spanischen Grenze stehen wir direkt an der Küste, etwas oberhalb von Cerbère, mit einer fantastischen Aussicht auf’s Mittelmeer und der Möglichkeit einer schönen Küstenwanderung, bevor wir mit einem leckeren Abendessen die Silvesternacht einläuten.